Trotz 30 Mio. fm Sturmholz in Deutschland versuchten Organisatoren und Referenten auf dem 2. Internationalen Sägewerkskongress in Ulm vom 5.-6. Februar 2007 das Thema Rundholzmobilisierung auf der Agenda zu halten. Im Saal machte der Vorsitzende des Verbands der Deutschen Säge- und Holzindustrie (VDS), Hans-Günther Sturm, "ungleiche Rundholz-Lieferverträge, Subventionen und Rundholzmangel", als entscheidende Zukunftsthemen trotz "Kyrill" aus. Vor dem Saal machten Stockpreise aus den Sturmholzgebieten die Runde, die selbst manch ein alter Rundholzeinkäufer anzweifelte.
"Beim Rundholzpotenzial und den tatsächlich zur Verfügung stehenden Mengen war die Sägeindustrie blauäugig", zeigte sich der VDS-Vorsitzende selbstkritisch gegenüber den rasant steigenden Einschnittskapazitäten. Scharf kritisierte Sturm die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) ob ihres Vertrages mit Klausner Holz Bayern. Er bezeichnete den Mehrjahresvertrag als "moralische Katastrophe" und als "Schlag ins Gesicht" der Branche. Es dürfe nicht sein, dass die Politik einen Strukturprozess herbeiführe. "50% Preisunterschied beim Rundholz sind für viele Säger tödlich", kritisierte Sturm unterbrochen von Szenenapplaus der über 400 Kongressteilnehmer den Staatsbetrieb. Die Säger würden keine dirigistischen Maßnahmen des Staates akzeptieren. Mit ihrer Kritik konzentrieren sich die Säger auf die BaySF, die Mehrjahresverträge in Thüringen und Sachsen spielten keine Rolle.
Wenig Hoffnung machte Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk den Sägern, ähnliche langfristige Verträge mit festgeschrieben Preisen und Mengen zu erhalten. Es werde in Baden-Württemberg auch weiterhin nur mittelfristige Verträge für die Grundabsicherung ohne Preisfixierung geben. "Die längeren Verträge sind in Bayern in die Hose gegangen", favorisiert der Minister Quartals- und Halbjahresverträge. "Die Schnittholzpreise steigen seit vier Jahren, die Rundholzpreise erst seit einigen Monaten", warb der Landwirtschaftsminister um Verständnis für die Waldbesitzer.
Das Thema Mobilisierung der Privatwaldbesitzer will man in Baden-Württemberg mit einer Mobilisierungsprämie angehen. Anfang März präsentiert man im Ostalbkreis an der Grenze zu Bayern ein Pilotprojekt.
Ist der Holzstandort Deutschland durch die Rundholzpreise in Gefahr? Prof. Gero Becker, Institut für Forstbenutzung der Universität Freiburg, sprach von einer "ernsten Situation". Die Rundholzmobilisierung sei die Schicksalsfrage der Holzindustrie. Als Lösungen schlägt Becker zum einen vor, dass die Säger sich stärker auf Nebensortimente fokussieren. Ein Beispiel sei das neue Sägewerksprojekt von Rettenmeier in Rheinland-Pfalz. Dort sollen hauptsächlich Kiefern, Douglasien und Lärchen verarbeitet werden. Die stark gefragte und immer knappere Fichte spielt dagegen nur eine untergeordnete Rolle.
Eine weitere Lösung sieht der Forstprofessor in der verstärkten Nutzung von bislang nicht verwertetem Derbholz im Wald. "Bislang bleiben 16% des Einschlags im Wald liegen und könnten als Energieholz genutzt werden", sagte Becker. Der Einschlag könne auch durch neue Durchforstungskonzepte erreicht werden. "Bei den Energieholzplantagen muss die Holzindustrie endlich Flagge im ländlichen Raum zeigen", forderte Becker.
Ein Problem sieht der Ökonomie-Spezialist bei der Rundholzmobilisierung in dem sogenannten "inversen Marktverhalten" der Rundholzlieferanten. In Zeiten hoher Holzpreise würde weniger Holz eingeschlagen, da der gewünschte Gesamterlös mit weniger Rundholz erreicht wird. Der Rundholzpreis allein würde deshalb nicht zum gewünschten Erfolg führen. "Die traditionellen Ansätze wie Preis oder Betreuung durch den Revierförster stoßen an ihre Grenzen", erinnerte Becker an den "nicht wirtschaftlich denkenden Privatwaldbesitzer."
Eine große Verantwortung liege auch bei der Holzindustrie. "Es gibt bei vielen Waldbesitzern ein großes Misstrauen, die sich oft in Generationen zurückliegenden negativen Erfahrungen begründen", warnte Becker die Säger in Ulm vor dem Hintergrund von 30 Mio. fm Sturmholz vor Preistreiberei nach unten.
Als großes Problem für die Holzmobilisierung stellt sich immer wieder staatliche Forstverwaltungen heraus. Der Kontakt zwischen Holzkäufer und Waldbesitzer sei von den Förstern vor Ort oft nicht gewollt, berichtete Becker in Ulm. Dabei spielen gerade diese eine wichtige Rolle.
Aus den Erfahrungen zweier Pilotprojekte in Sachsen und Rheinland-Pfalz schlägt Professor Becker einen Mobilisierungsansatz nach der Bottom-up-Methode vor. Kernstück: Bildung von Nutzungsschwerpunkten in einer Region statt kompletter Erfassung aller Waldbesitzer. Vorteil: Die Holzernte beginnt gleich, für Zögerer und Zauderer stehen schnell Anschauungsflächen zu Verfügung. Entsprechend wichtig sind die Informationsveranstaltungen noch während des Einschlags. "Dies ist der Zeitpunkt der Nachmobilisierung", riet Becker.
Der Holzindustrie gab er konkrete Ratschläge mit auf den Weg:
*Einhaltung von Abnahmezusagen. Ein "ätsch, ich will dein Holz doch nicht" zerstöre nachhaltig das Vertrauen
*Organisationen wie Forstbetriebsgemeinschaften sollten nicht wegen 2 €/fm umgangen werden
*"Kleinprivatwaldbesitzer nicht als variable Größe behandeln, lieber Staatswaldmengen zurückstellen"
Wie mühsam die Rundholzmobilisierung in der Praxis oft ist, konnte Udo Schmitz vom Forst- und Holzhandelunternehmen Udo & Michael Schmitz OHG berichten. Die Mehrkosten im für die Holzernte bei bislang inaktiven Privatwaldbesitzern beziffert er auf 5 €/fm für die Arbeitsvorbereitung, inklusive Adress-Recherche bei Kastasterämtern, 4 €/fm bei der Aufarbeitung und 2 €/fm beim Holztransport. Dies sei als Anfangsinvestition zu sehen und dürfe nicht 1:1 fortgeschrieben werden.
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